Kabelloses Laden sieht aus wie eine Einbahnstraße: Energie überquert einen Luftspalt von der Sendespule im Boden zur Empfangsspule im Fahrzeug. Doch bevor ein einziges Watt fließt, müssen die beiden Seiten miteinander sprechen. Vor dem eigentlichen Ladevorgang führen Ladegerät und Fahrzeug einen Handshake durch – sie erkennen einander, stimmen den Ladebefehl ab und senden danach während der gesamten Sitzung Statusdaten an die Flotte.

Genau über diese Kommunikation spricht dieser Leitfaden: über die 2.4G-Verbindung zwischen Sender und Empfänger, über die CAN- und RS485-Schnittstellen, die den Ladebefehl vom Fahrzeug übertragen, und über die exakten Pinbelegungen, die Sie verdrahten müssen. Alle Angaben stammen aus den Datenblättern des 3-kW-Systems LS300-A60 und des 1,5-kW-Systems LC180-A30.

Drei Kommunikationsebenen in einer kabellosen Ladesitzung

Ein industrielles kabelloses Ladegerät kommuniziert auf zwei getrennten Ebenen, und beide Systeme nutzen dieselbe Architektur:

EbeneWer kommuniziertWas übertragen wird
2.4G-FunkverbindungSende-Controller ↔ Empfangs-ControllerErkennung und Ladesteuerung zwischen den beiden Systemhälften
CAN / RS485Ladegerät ↔ Fahrzeug-BMS / Flotten-ControllerLadebefehl und Sollspannung vom Fahrzeug sowie Live-Status an die Flotte

Beim LS300-A60 wie beim LC180-A30 ist die Kommunikationsmethode zwischen Sender und Empfänger eine 2.4G-Funkverbindung, und das nach außen geführte Kommunikationsprotokoll ist CAN / RS485. Die Senderseite des LC180 bietet zusätzlich LAN.

Die 2.4G-Verbindung: Wie sich Sender und Empfänger erkennen

Jeder Controller besitzt einen SMA-Antennenanschluss für eine 2.4G-Antenne. Wenn sich die Empfangsspule der Sendespule nähert, stellen die beiden Controller eine Funkverbindung her und führen durch, was das Datenblatt Multi-Maschinen-Erkennung nennt – das System erkennt, welches Fahrzeug gerade angedockt hat, und bestätigt, dass es das richtige ist. Beim LC180-A30 ist diese Erkennung in weniger als 10 Sekunden abgeschlossen.

Genau deshalb braucht das System keinen Startknopf und kein externes Startsignal. Das Fahrzeug dockt an, die 2.4G-Verbindung kommt hoch, und das Ladegerät ist in dem Moment einsatzbereit, in dem es in Reichweite ist. Fährt das Fahrzeug weg und bricht die Verbindung ab, wird der Ladevorgang automatisch gestoppt – das Ladegerät speist keine Energie mehr in ein leeres Pad.

Ein hilfreiches Bild: Die 2.4G-Verbindung ist die Präsenzerkennung des kabellosen Ladegeräts. Die CAN-/RS485-Schnittstelle trägt im nächsten Schritt die eigentliche Geschäftsentscheidung.

CAN und RS485: Die Schnittstellen zum Fahrzeug und zur Flotte

Sobald die Verbindung steht, geht das System in einen Bereitschaftszustand über und wartet – auf einen CAN-Befehl vom Fahrzeug. Das Ladegerät legt die Zielspannung nicht selbst fest. Das BMS des Fahrzeugs sendet den Ladebefehl und die Sollspannung, erst dann beginnt der Energiefluss. Es ist kein externes Startsignal nötig; das Fahrzeug dockt einfach an und gibt den Befehl aus.

Während der Sitzung hält das Ladegerät die Flotte auf dem Laufenden. Es sendet einen CAN-Frame mit Ausgangsspannung, Ausgangsstrom, Temperatur und Kopplungsgrad, sodass ein Host-Computer oder Flottensystem in Echtzeit sieht, was am Pad passiert.

Bei einer Störung ist dieselbe Schnittstelle der Diagnosepfad: Die Fehlersuche im Datenblatt empfiehlt, die vom Host-Computer oder vom Empfänger gemeldeten CAN-Pakete zu prüfen, um den konkreten Fehler zu identifizieren.

Die Anschlüsse, die Sie tatsächlich verdrahten: Pinbelegungen und Steckverbinder

Das ist der Teil, den ein Integrator zuerst braucht – welcher Stecker welches Signal führt und welche Aderfarbe wohin gehört.

Senderseite LS300-A60 – die 485/CAN-Schnittstelle ist ein RJ45-Steckverbinder:

PinSignalBeschreibung
1485+RS485 A
2485−RS485 B
3CANHCAN_H-Busleitung (dominant high)
4CANLCAN_L-Busleitung (dominant low)
5–6N/AUnbelegt
7+12VHilfseingang, 12 V positiv
8GNDHilfseingang, 12 V negativ

Ein separater RJ45-"Burn"-Anschluss am Sender dient ausschließlich Firmware-Updates und der Fehlersuche – im Normalbetrieb ist er nicht aktiviert.

Empfangsseite (LS300-A60 und LC180-A30) – beide führen die 485/CAN-Schnittstelle an einem 5-poligen M12-Steckverbinder (männlich) mit identischer Pinbelegung:

PinSignalBeschreibungAderfarbe
1485+RS485 ABraun
2485−RS485 BWeiß
3CAN_GNDRS485- und CAN-MasseBlau
4CANHCAN_H-Busleitung (dominant high)Schwarz
5CANLCAN_L-Busleitung (dominant low)Grau

Senderseite LC180-A30 – zusätzlich zu 485/CAN unterstützt die Senderseite LAN (ein standardmäßiger RJ45-Netzwerkanschluss für TCP/UDP-Debugging), und die 485/CAN-Debugschnittstelle ist an einem USB-Anschluss verfügbar. Der Empfänger verwendet denselben 5-poligen M12-Anschluss wie oben gezeigt.

Das Ladegespräch Schritt für Schritt

Beide Datenblätter beschreiben dieselbe Steuerlogik. Hier ist die vollständige Reihenfolge, in der sie abläuft:

  1. Die Empfangsspule dockt auf die Sendespule auf.
  2. Die 2.4G-Verbindung zwischen Sender und Empfänger kommt hoch, und die Multi-Maschinen-Erkennung ist abgeschlossen (beim LC180 in unter 10 Sekunden).
  3. Das System wechselt in einen Bereitschafts-, "aufladbaren" Zustand und wartet auf einen CAN-Befehl vom Fahrzeug – kein Startsignal nötig.
  4. Liegt die Ausgangsspannung an der Schnittstelle bei oder unter Sollspannung minus 1,2 V, beginnt der Ladevorgang – beim LC180 steigt der Strom in weniger als 20 Sekunden auf den Sollwert.
  5. Während der gesamten Sitzung sendet das Ladegerät einen CAN-Frame mit Ausgangsspannung, Strom, Temperatur und Kopplungsgrad.
  6. Konstantstrom-Laden füllt den Akku auf, danach beendet Konstantspannungs-Laden die Ladekurve, und der Ladevorgang ist abgeschlossen.

Die Leuchtanzeigen geben einen fortlaufenden Überblick, in welchem Schritt Sie sich befinden. Bei beiden Systemen leuchtet eine gelbe Anzeige dauerhaft, wenn die 2.4G-Verbindung steht (der aufladbare Zustand), und blinkt, sobald der Ausgangsstrom 5 A erreicht. Eine grüne Anzeige leuchtet im Bereitschaftsbetrieb, und eine blinkende rote Anzeige bedeutet eine Störung – prüfen Sie die CAN-Pakete, um die Ursache zu finden.

Was Sie vor dem Verdrahten der Kommunikationsschnittstellen prüfen sollten

  • Steckverbindertyp am Fahrzeug-Controller – die Empfangsschnittstelle ist bei beiden Systemen ein 5-poliger M12-Stecker (männlich); die 485/CAN-Schnittstelle des LS300-Senders ist ein 8-poliger RJ45-Stecker mit anderer Belegung. Gehen Sie nicht davon aus, dass sie gleich verdrahtet sind.
  • Aderfarben – am M12-Anschluss ist Braun RS485 A, Weiß RS485 B, Blau die gemeinsame Masse und Schwarz und Grau sind CANH und CANL.
  • CAN-Topologie – Pin 3 ist die gemeinsame RS485- und CAN-Masse; befolgen Sie die Regeln Ihres CAN-Busses für Abschlusswiderstände und Teilnehmerverdrahtung.
  • Antennenanschluss – die 2.4G-Verbindung hängt davon ab, dass die SMA-Antenne an beiden Controllern angeschlossen ist. Eine fehlende oder beschädigte Antenne erscheint als 2.4G-Kommunikationsstörung, nicht als Verdrahtungsfehler.
  • Ladeabstand – der Spulenabstand muss im Nennbereich bleiben (20–45 mm beim LS300, 10–30 mm beim LC180), sonst verschlechtern sich sowohl die 2.4G-Verbindung als auch die Energieübertragung.
  • 12-V-Hilfseingang am LS300-Sender – die Pins 7 und 8 des RJ45-Anschlusses stellen die 12-V-Hilfsversorgung bereit; der 12-V-Hilfsausgang des Empfängers ist nicht isoliert und für den Kundeneinsatz nicht empfohlen.

Fazit

Kommunikation ist der Teil eines kabellosen Ladesystems, den man nicht sehen kann – und genau der Teil, der alles andere automatisch und sicher macht. Die 2.4G-Verbindung übernimmt die Erkennung, CAN/RS485 trägt den Ladebefehl und den Live-Status, und der gesamte Kreislauf läuft ohne menschliches Eingreifen: Andocken, Erkennen, Befehlen, Laden, Melden.

Wenn Sie ein kabelloses Ladegerät in eine AGV-, AMR- oder Staplerflotte integrieren und die Kommunikationsschnittstellen an das BMS Ihres Fahrzeugs anpassen möchten, senden Sie ONEPOINTECH Ihr BMS-Protokoll und Ihre Verdrahtungsanforderungen. Wir können Ihnen ein 3-kW-System LS300-A60, ein 1,5-kW-System LC180-A30 oder eine individuelle Lösung anbieten, die die Sprache Ihrer Flotte spricht.

Sie brauchen eine Empfehlung? Schreiben Sie an info@onepointech.com mit Ihrer Akkuspezifikation, Ihrem BMS-Protokoll und Ihrer Flottenarchitektur – unser Engineering-Team hilft Ihnen, die passende kabellose Ladelösung zu wählen.